
«Teilzeitmitarbeitende werden bei den Feiertagen benachteiligt!» Stimmt das wirklich?
Grundsätzlich ist das wohl auch eine Charakterfrage. Die einen fühlen sich immer benachteiligt, die anderen nie. Und die Fragen kommen ja auffällig oft von den gleichen Kolleg:innen, oder?
Teilzeiter und Feiertage: Die klassische Ausgangslage
Kollege Thomas arbeitet 80 % im Kanton Zürich und hat immer montags frei.
Jetzt ist Ostern – und der Ostermontag fällt (Überraschung!) auf einen Montag.
Thomas ist also sowieso frei, findet aber:
„Dann müsste ich den Ostermontag doch nachbeziehen können. Sonst ist das unfair.“
Oder?
Vorab ein wichtiger Grundsatz der Feiertage
Feiertage sind dazu da, an genau diesem Tag etwas zu feiern. Nicht irgendwann. Nicht ersatzweise. Der Ostermontag ist:
- nicht am Dienstag
- nicht am Donnerstag
- nicht am Freitag
Sondern am Montag. Immer.
Ob man diesen Feiertag persönlich feiert oder nicht, ist dabei nebensächlich. Man könnte ihn feiern – und dafür gibt es einen arbeitsfreien Tag. Den Ostermontag am Dienstag nachzufeiern funktioniert schlicht nicht. Dann ist es kein Ostermontag mehr.
Natürlich legen gewitzte Teilzeit-Kolleg:innen ihre Arbeitstage so, dass möglichst viele Feiertage auf Arbeitstage fallen. Karfreitag, Ostermontag, Auffahrt, Pfingstmontag – all diese Feiertage haben einen fixen Wochentag. Wer immer dienstags arbeitet, wird davon gefühlt nie profitieren.
Ein kurzer Realitätscheck
Spannend ist: Bei Mitarbeitenden mit sehr unregelmässigen Arbeitszeiten ist das Thema Feiertage fast nie ein Problem.
Warum?
Weil sie es gewohnt sind, ihr Wochensoll unregelmässig zu erfüllen.
Sie arbeiten mal mehr, mal weniger, an unterschiedlichen Tagen – und haben dafür irgendwann wieder frei. Dieses Frei ist dann halt nicht zwingend am Wochenende. Und auch nicht zwingend an einem Feiertag.
Für diese Mitarbeitenden zählt primär das Wochensoll, nicht das einzelne Tagessoll.
Die Diskussion entsteht meist dort, wo:
- Teilzeit regelmässig gearbeitet wird
- Tage klar als „Arbeitstag“ oder „freier Tag“ gelten
- und ein Feiertag genau auf einen solchen freien Tag fällt
Dann wird plötzlich nicht mehr das Wochensoll betrachtet – sondern der einzelne Tag. Und genau dort beginnt das Gefühl von Ungleichbehandlung.
Wie erfassen Unternehmen Feiertage?
Grundsätzlich gibt es zwei gängige Methoden:
- Lineare Methode (Wertemethode)
- Zeitmethode (geplante Methode)
Beide funktionieren, haben Vorteile und haben Tücken.
Entscheidend ist nicht welche Methode man wählt – sondern, dass man eine wählt und konsequent anwendet.
Lineare Methode (Wertemethode)
Kurz erklärt
- Das Wochensoll wird gleichmässig auf fünf Tage verteilt
- Jeder Wochentag hat das gleiche Tagessoll
- Unabhängig davon, ob effektiv gearbeitet wird
Beispiel:
40h-Woche, Pensum 80 % → Wochensoll 32h
32h ÷ 5 Tage = 6,4h Tagessoll
Feiertage bei der linearen Methode
- Feiertag auf freiem Tag → Plus im Zeitsaldo
- Feiertag auf Arbeitstag → Minus im Zeitsaldo
Geeignet für
- Büro / Gleitzeit
- Wissensarbeit
- Mitarbeitende ohne Einsatzplan
Vorteile
- Minimaler Pflegeaufwand
- Keine fixen Arbeitstage im System
- Sehr flexibel
Tücken
- Feiertage wirken „zufällig“
- Hoher Erklärungsbedarf
- Für Einsatzplanung ungeeignet
| Tag | Lineare Soll-arbeitszeit (40h * 80%) | Effektive Arbeitszeit („Ist“) | Zeitsaldo |
| Feiertag (Ostermontag) und der freie Tag von Thomas | 0 | 0 | 0 |
| Dienstag | 6.4 | 8 | 1.6 |
| Mittwoch | 6.4 | 8 | 1.6 |
| Donnerstag | 6.4 | 8 | 1.6 |
| Freitag | 6.4 | 8 | 1.6 |
| Saldo Woche | 25.6 | 32 | + 6.4 |
Wenn Thomas‘ Zeiterfassung linear ist, hätte er in dieser Woche im Prinzip 6.4h zu zu viel gearbeitet. In einer Woche mit dem Feiertag an einem seiner Arbeitstage würde er Minusstunden machen.
Zeitmethode (geplante Methode)
Kurz erklärt
- Geplante Arbeitstage sind fix im System hinterlegt
- Nur geplante Tage haben ein Tagessoll
- Das Wochensoll ergibt sich aus der Planung
Feiertage bei der Zeitmethode
- Feiertage werden nur vergütet, wenn sie auf einen geplanten Arbeitstag fallen
Diese Methode orientiert sich stark an der gelebten Realität: Was hätte ich an diesem Tag gearbeitet – und was nicht?
Geeignet für
- Einsatzplanung mit regelmässigen Arbeitstagen
- Produktion, Logistik, Verkauf, Service
Vorteile
- Klare, nachvollziehbare Abrechnung
- Weniger Diskussionen
- Hohe Transparenz
Tücken
- Einsatzpläne müssen gepflegt werden
- Änderungen brauchen Nachführung
- Komplexer bei wechselnden Rhythmen
| Tag | Geplante Sollarbeitszeit | Effektive Arbeitszeit („Ist“) | Zeitsaldo |
| Feiertag (Ostermontag) und der freie Tag von Thomas | 0 | 0 | 0 |
| Dienstag | 8 | 8 | 0 |
| Mittwoch | 8 | 8 | 0 |
| Donnerstag | 8 | 8 | 0 |
| Freitag | 8 | 8 | 0 |
| Saldo Woche | 32 | 32 | – |
Wenn Thomas‘ Zeiterfassung nach der Zeitmethode (geplant) funktioniert, dann hätte er an einem Feiertag keine geplante Zeit, und macht somit weder Plus- noch Minussstunden.
Vergleich der Methoden (Übersicht)
| Aspekt | Lineare Methode | Zeitmethode |
| Fokus | Wochensoll | Geplante Tage |
| Tagessoll | Fix an allen Tagen | Nur an Arbeitstagen |
| Feiertag auf freiem Tag | Zeitsaldo-Plus | Kein Effekt |
| Pflegeaufwand | Tief | Hoch |
| Erklärungsbedarf | Hoch | Tief |
| Geeignet für | Gleitzeit, Büro | Einsatzplanung |
Fazit: Teilzeitmitarbeitende werden nicht durch Feiertage benachteiligt
Es gibt nicht die eine richtige Methode.
Aber es gibt viele falsche – nämlich dann, wenn innerhalb derselben Organisation unterschiedlich gemessen wird. Benachteiligt werden Teilzeitmitarbeitende meist nicht durch Feiertage,
sondern durch unklare Systeme, schlechte Erklärungen und inkonsequente Logik. Und aus meiner Sicht auch, weil unsere Strukturen systematisch teilzeitarbeitende Berufsgruppen benachteiligen.
Feiertage sind für dich immer noch ein Rätsel? Buche bei mir einen Check-Up Zeit und Planung.
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