In vielen Schweizer Unternehmen arbeiten Mitarbeitende mit unterschiedlichen Zeitmodellen. Die einen stempeln klassisch ein und aus, anderen gilt der Einsatzplan als Ist-Zeit oder sie arbeiten mit Vertrauensarbeitszeit. Doch was passiert, wenn jemand aus der Vertrauensarbeitszeit spontan im Schichtbetrieb aushilft – oder jemand aus der Schicht im Plan=Ist Team? Wie bleiben Zeiterfassung, Lohnabrechnung, Arbeitszeitgesetz (ArG) und interne Fairness gewahrt? Willkommen in der Realität hybrider Zeitwirtschaft – ein Thema, das viele von uns beschäftigt.


Warum es unterschiedliche Populationen gibt

In der Zeitwirtschaft sprechen wir von Populationen, wenn Mitarbeitende unterschiedlich abgerechnet werden: Stunden- oder Monatslöhner:innen, Mitarbeitende mit Vertrauensarbeitszeit, mit Projektzeiterfassung oder deren Plan als Ist-Zeit gilt. Diese Vielfalt entsteht selten aus Willkür, sondern durch unter anderem:

  • Historisch gewachsene Strukturen (z. B. Produktion vs. Büro)
  • Fusionen oder Systemwechsel, bei denen mehrere Zeiterfassungskulturen zusammengeführt werden (ich spreche aus Erfahrung 😉)
  • Unterschiedliche Bedürfnisse – etwa Vertrauensarbeitszeit für Kader, Plan = Ist bei Schichtmodellen
  • Kosten- und Projektrechnungen mit detaillierten Zeiterfassungsanforderungen

Das Schweizer Arbeitsrecht erlaubt diese Vielfalt– solange Mindeststandards wie Pausen und Höchstarbeitszeiten eingehalten werden. Entscheidend ist also nicht das Wie, sondern das Dass: Die Arbeitszeit muss erfasst werden (vgl. ArG Art. 46).

Praxisbeispiel: Ein Schweizer KMU kombiniert ein Stempelsystem für die Administration (minutengenaue «real-time» Arbeitszeiterfassung) mit planungsbasierter Zeiterfassung für den Empfang (Plan = Ist).


Technische Lösungen für gemischte Zeiterfassungen

Moderne digitale Lösungen können diese Bedürfnisse abdecken. Es muss nicht sein, dass eine Gruppe auf Excel zurückgreift 😊. Systeme wie ATOSS, Mobatime, Polypoint oder auch SAP SuccessFactors bilden mehrere Populationen in einem gemeinsamen System ab. Keine Sorge – auch kleine Anbieter können das, unbedingt bei eurem Kontakt nachfragen!

Vorteile einer technischer Lösung:

✔ Zentrale Datenbasis für Löhne und Auswertungen

✔ Einheitliche Reporting-Strukturen aus einer Quelle

✔ Nutzerfreundlichkeit für Mitarbeitende (alle Zeitdaten in einem Tool)

Herausforderungen

⚠ Klare Regeln und Dokumentation sind nötig, um festzulegen, welches System wann gilt

⚠ Schulungsbedarf, besonders für Mitarbeitende, die zwischen Systemen wechseln

⚠ Risiko von Datenfehlern durch komplexe Einrichtung

Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall Zeit und Hirn zu investieren, um die verschiedenen Populationen in einem Tool zu vereinen.


Technische Lösungen für gemischte Systeme

  1. Populationen bewusst festlegen Jede zusätzliche Variante erhöht den Wartungsaufwand. Selbst kleine Regeländerungen (z. B. Zuschläge) müssen mehrfach getestet werden. Weniger ist mehr.
  2. Pilot durchführen Ein kleiner Start – z. B. mit einer Abteilung wie Vertrieb und Lager – ermöglicht es, das Modell zunächst zu testen, bevor es flächendeckend ausgerollt wird.
  3. Kommunikation & Schulung
    • Mitarbeitende: Klare Anleitungen erleichtern den Wechsel zwischen den Systemen.
    • Führungskräfte: Sie steuern die Arbeitszeiten – Unterlagen und Anlaufstellen bei Fragen sind essenziell.
    • Hilfsmittel: FAQs und ein lokales Key-User-Netzwerk helfen, Fehler zu vermeiden.
  4. Verbindliche Dokumentation Eine Weisung sollte regeln:
    • Welches System in welcher Situation gilt
    • Wie beim Systemwechsel vorzugehen ist
    • Wer für die Datenpflege verantwortlich ist

Beispiel: „Bei Teamwechseln gilt die Zeiterfassungsmethode des abgebenden Teams. Zuschläge werden gemäss Regelung des aufnehmenden Teams angewandt. Abweichungen sind mit HR abzustimmen.“

  1. Technik durchdacht einsetzen Fehler vermeiden, indem man sie gar nicht erst machen kann. Die Zauberwörter heissen: rollenbasierte Zugriffsrechte. Schichtmitarbeitende benötigen andere Funktionen als Projektmitarbeitende oder Führungskräfte – sie sollten also nur das sehen, was sie brauchen.

Ein einheitliches Zeitwirtschaftssystem für verschiedene Arbeitsmodelle ist machbar – wenn man es professionell und durchdacht aufsetzt. Dann funktioniert im Prinzip jede Kombination zwischen Populationen. Meine Erfahrung: Dokumentation und Anleitungen sind Gold wert – wer bei jeder Ausnahme ein «Rezept» für die Zeiterfassung parat hat, ist klar im Vorteil. 😊


HR-Expertise oder HR interim Support gefragt?

Ihr sucht Unterstützung bei der Einführung eines hybriden Zeitwirtschaftssystems? Als HR-Interim-Managerin und Zeitexpertin begleite ich von der Konzeption bis zur Umsetzung.


Praxisbeispiel aus der Umsetzung

Ein Kunde hatte mehrere Zeiterfassungs-Populationen: Vertrauensarbeitszeit, Plan=Ist sowie Stempelung mit und ohne Planung. Bei Teamwechseln führten manuelle Anpassungen zu Fehlern – insbesondere beim Wechsel von Plan=Ist an der Reception ins Backoffice-Team mit Terminal-Stempelung (oder umgekehrt).

Die Lösung:

  1. Reception: Für Einsätze im Backoffice können Mitarbeitende einen Tagescode beantragen: Wenn Tagescode = Stempelmodus → Stempelfunktion aktivieren und Plan=Ist-Logik für diesen Tag deaktivieren. Am Back-Office Terminal können die Zeiten gestempelt werden.
  2. Backoffice: Für Einsätze im «Plan=Ist»-Team erhalten Terminal-Stempler:innen die Zeiterfassung per App freigeschaltet.

Es klingt einfach – und das ist es auch. Es muss nur klar geregelt sein. Dafür sind drei Dinge entscheidend:

✔ Klare Definition der Populationen

✔ Funktionierende technische Umsetzung

✔ Kurze Anleitung + lokale Key-User für Unterstützung

Ergebnis:

✔ Keine manuellen Eingriffe und Korrekturen durch HR mehr

✔ Transparenz für alle Beteiligten

✔ Nachhaltige, akzeptierte Lösung


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